. Gemeinde Fridolfing

Salzachklinik Fridolfing im Detail

14.12.2017

Rückblick auf den Vortrag "Das Bier davor – Das Bier danach"

Raphael Koller von der Caritas bedauert, dass nur wenige Personen freiwillig zur Suchtberatung kommen

Herr Koller, der in der Suchtberatung tätig ist, arbeitet mit den Krankenhäusern der Region zusammen. Bei Patienten, die bereits in ärztlicher Behandlung sind oder Personen, die einen alkoholbedingten Unfall hatten, hat er somit die Chance, seine Hilfe anzubieten. "In der Regel kommt ja keiner freiwillig", so Herr Koller.

Ein Alkoholkranker gesteht sich nicht schnell ein, dass er Hilfe braucht - Unterstützung durch das Umfeld ist wichtig

Es dauert lange bis sich ein alkoholkranker Mensch selbst eingesteht, dass er Hilfe braucht. In den meisten Fällen ist Druck aus dem Umfeld nötig. Freunde, Familienmitglieder oder Arbeitskollegen sollten regelmäßig auf die Person zugehen. Dann wird sie oft einsichtig.

Die verschiedenen Trinkgewohnheiten - Genusstrinker, Konsumtrinker, riskanter Konsumtrinker

Der Genusstrinker konsumiert ab und zu ein Glas Wein - jedoch nicht regelmäßig. Der Konsumtrinker trinkt regelmäßig Alkohol und hat dabei auch mal einen Rausch. Die meisten Deutschen sind Konsumtrinker. Der riskante Konsumtrinker nimmt täglich 24 Gramm Alkohol zu sich. Das ist etwas mehr als eine Halbe Bier. Wenn das tägliche Feierabendbier zur einzigen Methode wird, um etwas zu entspannen, spricht man vom riskanten Bereich.

Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit

Missbrauch liegt vor, wenn eine Person zu unpassenden Gelegenheiten trinkt, z. B. in der Arbeit. Wenn man bei Problemen körperlicher, psychischer oder sozialer Art nicht in der Lage ist, mit dem Trinken aufzuhören, gilt die Person als abhängig.

Verschiedene Trinkmuster beim Alkoholkonsum

Der Spiegeltrinker trinkt immer so viel, dass er nicht betrunken ist. Der Rauschtrinker trinkt an Wochenenden bis es zum Rausch kommt. Der Konflikttrinker trinkt, wenn er Ärger und Stress hat. Menschen, die in Perioden viel trinken, werden als periodische Trinker bezeichnet.

"Abhängigkeit ist keine Frage der Menge oder Häufigkeit", so Koller. Die Folgen sind ausschlaggebend.

Behandlung von Alkoholismus

Koller betont: "Je früher, desto besser." Wenn die betroffene Person bereits Arbeitsplatz und Partner durch den Alkoholismus verloren hat, gestaltet sich die Behandlung als wesentlich schwieriger. Der Betroffene braucht Unterstützung von seinen Mitmenschen und Halt durch den Arbeitsplatz.

Die Behandlungskosten werden über die Rentenversicherungsträger finanziert.

Auswirkungen des Alkohols auf den Körper

Der Internist und Gastroenterologe Dr. Matthias Gotthardt klärte die Zuhörer über die körperlichen Folgen von Alkohol auf. Dabei betonte er, dass Alkohol nicht nur die Leber und das Gehirn schädigen können. Akute Folgen sind Stürze, Intoxikation und eine Alkoholpsychose. Blutbildungsstörungen, Impotenz oder Demenz können die langfristigen Folgen sein. Von der akuten Pankreatitis und Diarrhoe bis zur Fettleber und einem Rektumkarzinom sei das Spektrum der Ethanolauswirkungen enorm.

Steigendes Krebsrisiko durch Alkoholkonsum, regelmäßige Magenspiegelung

Dr. Gotthardt nennt das Leberkarzinom als Beispiel. Ist ein solches fingernagelgroß, lebt der Patient laut Statistik nur zu 5 % noch drei Jahre. Bei einem Alkoholkonsum von 81 bis 100 Gramm am Tag ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Leberzirrhose zu erkranken, fünfmal größer als bei weniger Alkoholkonsum. Bei einer Leberzirrhose ist der Körper nicht mehr fähig, Blutungen selbst zu stoppen.

Eine jährliche Magenspiegelung bei Alkoholkranken empfiehlt Dr. Gotthardt wärmstens. Dabei können Krampfadern in der Speiseröhre festgestellt werden, die in einem frühen Stadium noch behandelbar sind. Platzen die Adern, verblutet der Betroffene.

Nach ein bis zwei Wochen ist die schlimmste Phase der Entgiftung vorbei

Dr. Gotthardt meinte, nach ein bis zwei Wochen sei der Schlimmste der Teil der Entgiftung vorbei. Danach ist ein drei- bis vierwöchiger stationärer Aufenthalt unumgänglich. Allerdings gibt es keine Alternative. Zwang ist hier fehl am Platz. Die betroffene Person muss es selbst wollen - das ist sehr wichtig, um langfristig geheilt zu sein.

Im Anschluss an den Vortrag bedankte sich Krankenschwester und stellvertretende Pflegedienstleiterin Johanna Hummelberger im Namen der Salzachklinik herzlich bei den beiden Rednern und überreichte ihnen einen Geschenkkorb.